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Mietspiegel steigt weiter an

Der Vorsitzende des Mietervereins Regio Freiburg zur aktuellen Situation

Manfred Wolf (Vorsitzender Mieterverein Regio Freiburg)

Liebe Mieterfreundinnen und Mieterfreunde,

Ein Anstieg der Mieten von 8,25 auf 9,79 EUR, also um 18,7%, auch uns vom Mieterverein haben diese Zahlen erschüttert. In der Berichterstattung wurde allerdings eine wichtige Komponente vergessen, die einen wesentlichen Anteil an diesem Ansstieg hat.

Gerichtsentscheid treibt Mietspiegel in die Höhe

Der BGH hat eine Entscheidung getroffen, nach der wir den Mietspiegel nicht mehr im gleichen Modus erstellen dürfen, wie bisher. Die Gewichtung musste geändert werden. Das heißt, bisher wurden die Fragebögen der Vermieter zu großen Teilen von der Stadtbau, oder den Genossenschaften zurückgesandt. Private Vermieter haben sich nicht sehr viel beteiligt. Das führte dazu, dass beispielsweise 70% der Rückläufer eben von Stadtbau oder Genossenschaften in die Statistik einfloss und nur 30% der privaten Vermieter. Die wirkliche Verteilung aber ist eher anders herum. Daher mussten die Rückläufer anders gewichtet werden und da die Mieten bei privaten Vermietern eher höher sind, ergab sich auch ein höherer Durchschnittswert. Dieser Durchschnittswert ist allerdings, wie schon bei den vergangenen Mietspiegeln nicht sehr aussagekräftig, denn auch die Zu- und Abschläge haben sich natürlich verändert.  Wir haben eine Vergleichswohnung mit dem alten und dem neuen Mietspiegel berechnet und festgestellt, dass die Miete mit dem neuen sogar um einige Cent pro qm gesunken ist. Es kommt also immer noch auf die individuelle Berechnung für die einzelne Wohnung an.

Freiburg braucht Mietendeckel

Nichts desto trotz ist festzuhalten, dass die Mieten in Freiburg viel zu hoch sind. Ich würde mir wünschen, dass auch in den Ballungsgebieten von Baden-Württemberg dem Beispiel von Berlin gefolgt würde und ein Mietendeckel eingeführt würde. Dort sind jetzt nach der Einführung die Mieten drastisch gesunken. Im Fernsehen wurde ein Beispiel gezeigt, in dem eine Mieterin (Mitglied des Mietervereins Berlin) eine Senkung des qm-Preises von über 20,00 auf unter 8,00 EUR gelten machen kann. Das ist sicher ein Extrembeispiel, zeigt aber, was möglich wäre. Wir werden uns jedenfalls weiter dafür einsetzen, dieses Instrument auch für Freiburg zu bekommen.

Corona-Krise

Ein Wort möchte ich hier noch zur Corona-Krise sagen. Gerade in Zeiten, in denen wir viel zu Hause bleiben sollen, merken wir auch, wie wichtig dieses zu Hause ist. Ich möchte Sie bitten, sich an die Regeln zu halten und dazu beizutragen, diese schreckliche Prüfung zu überstehen. Mir ist völlig unerklärlich, wie Teile der Bevölkerung sich in großen Demos darüber hinwegsetzen und für Freiheit auf die Straße gehen. Was es bedeutet, nicht frei zu sein könnten diese Menschen vielleicht lernen, wenn sie einmal in Ländern wie Belarus, Russland, oder Honkong versuchen zu demonstrieren. Sie nennen sich Querdenker, aber der Name ist nicht richtig, denn er impliziert ja, dass jemand denkt.

Gefährliche Vergleiche - Einfluss von Extremisten wächst

Das sehe ich hier nicht. Völlig unerträglich ist es, wenn ein Mädchen, das seinen Geburtstag heimlich feiert und dabei leise sein muss, sich mit Anne Frank vergleicht. Völlig daneben, dass die Mutter sie dieses Pamphlet dann auch noch auf einer Bühne bei einer Veranstaltung der Querdenker verlesen lässt. Genauso die junge Frau aus Kassel, die sich wie Sophie Scholl fühlt, oder der Vergleich des neuen Gesundheitsgesetzes mit dem Reichsermächtigungsgesetz. Hier wird die Bundesrepublik gleichgesetzt mit dem brutalen und bllutigen Regime der Nationalsozialisten. Dass diese selbsternannten Widerstandskämpfer dann auch noch gemeinsam mit Reichsbürgern und Neonazis durch die Straßen ziehen und es nicht schaffen, sich von diesen Gruppierungen zu distanzieren, zeigt, wie wenig sie von unserer Geschichte begriffen haben.

Bleiben Sie gesund und vernünftig

Ihr

Manfred Wolf
Mieterverein Regio Freiburg e.V.